Das Festival ist offiziell eröffnet. Im abendlichen Sonnenuntergang wird in den Reden vom metaphorischen Sonnenaufgang des zeitgenössischen Zirkus in Nordrhein-Westfalen gesprochen. Dabei drängt sich Künstlerin Gina Segura in ihrer bewusst störenden Clowns-Rolle La Churry immer wieder dazwischen, unterbricht, verschiebt, sucht Kontakt. So entsteht eine Begegnung zwischen Kunst und Politik – tastend, leicht unbeholfen im Umgang miteinander. Hinter dem Redner*innenpult dann klare Worte von Ina Brandes (CDU), Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: Wertschätzung für die Künstler*innen, Bekenntnisse zur Förderung, das bekannte Vokabular politischer Unterstützung.
Während die Eröffnungsfeier noch in vollem Gange ist, hastet Brandes jedoch bereits weiter. Auf dem Sprung zu ihrem nächsten Termin passe ich sie auf der Wiese zwischen den Büschen für ein kurzes Gespräch ab. Sie spricht über Kunst als Beruf, über rote Teppiche, das Mindesthonorar für Künstler*innen und Nordrhein-Westfalen als Zentrum des zeitgenössischen Zirkus. Als ich sie auf die Verteilung von Ausgaben zwischen Militär und Kultur anspreche, dröhnt im Hintergrund plötzlich „Thunderstruck“ von AC/DC.
Eine zufällige akustische Überlagerung – oder eine unbewusste Reaktion der Kunst auf die Antworten der Politik?
