Die Stadt zum Staunen bringen

Die Stadt zum Staunen bringen

Ole-Kristian Heyer über Begegnungen im öffentlichen Raum, Stadtentwicklung und die Insane Urban Cowboys in Gelsenkirchen.

Ein Interview von Joma Langhans

Viele Aspekte der Publikumsarbeit des Zeitgenössischen Zirkus haben auch in anderen Themenfeldern Relevanz: Strategien des „Placemaking“ (1) nutzen auch die Potenziale des Publikums und verbinden künstlerische Angebote mit lokalen Bedürfnis-sen. Sie fördern die Beziehung zwischen Aufführung, Ort und Publikum, sodass durch partizipative Formate oder kulturelle Interventionen nicht nur Zuschauer:innen gewonnen, sondern langfristige Bindungen aufgebaut werden. So wird aus Stadt-entwicklung ein Prozess, der zu lebendigen Orten der Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe führt und aus einem passiven Publikum eine aktive Stadtgesellschaft macht. Auch die Insane Urban Cowboys arbeiten an solchen Formen der Stadtentwicklung und Beteiligung. Bevor wir tiefer in eure Arbeit einsteigen, interessiert uns deine persönliche Perspektive: Wer bist du, was hat dich geprägt und was motiviert dich an dem, was du tust?

Ich bin freiberuflicher Künstler, Fotograf und Stadtentwickler, aufge-wachsen in Mülheim an der Ruhr. Über Essen bin ich nach Gelsen-kirchen gekommen, wo ich seit 2018 im Stadtteil Ückendorf lebe und arbeite. Besonders fasziniert mich an Gelsenkirchen die Geschichte und das enorme Raumpotenzial der Stadt: Sie war mal eine der wirtschaftlich stärksten Städte Deutschlands mit der ersten Fußgän-gerzone des Landes und wurde auf starken Zuzug ausgelegt, dann aber von verschiedenen Krisen getroffen. Neben der Krise der Textil-industrie und später der Stahlindustrie hat die Kohlekrise ab den 1960ern die Stadt besonders hart getroffen. Durch das Verschwinden ganzer Industriezweige ist die Einwohnerzahl stark gesunken und es sind viele bis heute ungenutzte Flächen entstanden. Heute finden wir eine Stadt vor, deren Einwohnerzahl wieder wächst, aber deren Kleidung sinnbildlich noch immer zu groß erscheint. Genau darin liegt für mich die Chance – diese Freiräume neu zu entdecken, mit Ideen zu bespielen und gemeinsam mit der Stadtgesellschaft neue Formen von Nutzung und Lebensqualität zu entwickeln. Deshalb arbeite ich an eigenen künstlerischen Projekten sowie mit der Stadt zusammen und engagiere mich bei den Insane Urban Cowboys. Das ist ein 2015 gegründeter Verein, der aus der damaligen Leerstands-situation im so genannten Kreativ.Quartier (2) entstanden ist. Die vielen Freiflächen ermöglichen künstlerische Experimente und vermitteln einen gewissen Wild-West-Charakter – daher der Name. Gleichzeitig verstehen wir „Cowboys“ eher als Hirten, die Verantwortung für ein gemeinschaftliches Miteinander übernehmen (und die bei uns keine geschlechtsspezifische Rolle innehaben). Das Ziel ist immer, sich als Stadtgesellschaft oder als im Ruhrgebiet lebende Menschen Orte anzueignen und letztendlich die Lebensqualität zu steigern.

Was ist euer Arbeitsansatz und wie unterscheidet er sich von den bisherigen Stadtentwicklungsmaßnahmen im Ruhrgebiet?

Ich denke, dass es in der Vergangenheit zu wenig Rückkopplung an Bedarfe gab, die wirklich aus der Bewohnerschaft kamen. Das heißt, dass ein Top-Down-Ansatz praktiziert wurde, was nicht nur Gelsen-kirchen betrifft. Auf der anderen Seite ist aber die reine Umsetzung von subjektiven Wünschen auch nicht immer erfolgversprechend. Die Mischung aus individuellen Blickwinkeln und den Ideen einer lokal befragten Anwohnerschaft, kombiniert mit ganzheitlichen Pla-nungsstrategien auf übergeordneter Ebene, scheint mir sinnvoll zu sein. Und dann kommt noch das Thema Verdrängung hinzu, wenn Orte beginnen, sich positiv zu entwickeln. Wobei ich klar sage, dass Belebung nicht direkt zu Verdrängung führt. Verdrängung entsteht eher dort, wo Verantwortung fehlt. Wenn Orte gemeinsam gestal-tet werden, können auch neue Freiräume entstehen – etwa kleine Parks oder Aufenthaltsorte, die der Nachbarschaft zugutekommen und gleichzeitig das Stadtklima verbessern.

Wir als Insane Urban Cowboys sind ein Zusammenschluss verschie-dener, eher kreativschaffender Disziplinen. In unserem Blick ist vor allem die Stadt “von unten”, das heißt wirklich in den öffentlichen Raum zu gehen, Dinge zu verändern und dann auch aus einer be-obachtenden Perspektive zu schauen, was wird angenommen, was wird vielleicht auch eigenständig weiterentwickelt? Welche Ideen kommen aus der unmittelbaren Nachbarschaft dazu? Und das sind die Potenziale, die wir in unseren Projekten ausloten, um sie mit Menschen vor Ort zu verstetigen oder Handlungsoptionen zusam-mengefasst an die Stadt zu übergeben. Wir können die Stadt nicht ohne eine Zusammenarbeit mit Politik oder Verwaltung verändern, daher ist die Kommunikation fundamental wichtig.

Wenn wir etwa in einem einmonatigen Projekt neue Erkenntnisse gewinnen, suchen wir Verbündete in den Stadtbezirken, zum Bei-spiel Bezirksbürgermeister:innen, die die Idee unterstützen und sie in die politischen Gremien tragen, damit daraus auch offizielle Beschlüsse entstehen können. Im Falle unseres Projekts Urbanus Herbst im Jahr 2022 in Gelsenkirchen-Buer wird jetzt beispielsweise gehandelt und eine Sackgasse so umgenutzt, dass sie dauerhaft Teil der Fußgängerzone wird und statt parkender Autos dort mehr Frei-fläche und generell mehr Aufenthaltsqualität entsteht.

Wie geht ihr konkret bei euren Projekten vor und was ist euch dabei wichtig?

Unsere Arbeit beginnt meist mit offenen Stadtspaziergängen. Wir schauen uns Orte an, bleiben stehen und suchen nach Potenzial-flächen – für künstlerische Nutzung, aber auch für mehr Aufent-haltsqualität. Dabei versuchen wir, eigene Vorstellungen erst einmal zurückzustellen und mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Sie sind die eigentlichen Expert:innen für ihren Ort. Ein Beispiel war 2024 ein Projekt auf dem Altmarkt in Oberhausen. Dort haben wir eine sehr einfache Pop-up-Stage aufgebaut – eher ein Podest als eine klassische Eventbühne. Bevor wir das umgesetzt haben, haben wir mit Anwohner:innen, Ladenbetreibenden und Menschen auf dem Platz gesprochen: Welche Ideen gibt es? Welche Musik passt hier? Daraus entstand das Programm mit lokalen Bands oder Initiativen. Wichtig war uns, dass Organisation und Anmeldung möglichst von lokalen Akteur:innen übernommen werden, damit das Projekt auch nach unserem Weggang weitergeführt werden kann.

Insgesamt besteht die Arbeit bei den Insane Urban Cowboys aus drei großen Strängen: Einerseits gibt es die Street-Art-Offensive mit großformatigen Murals (3) internationaler Künstler:innen, die auch viel auf Social Media geteilt werden, was zu einem Imagewandel beiträgt. Außerdem gibt es das Quartiersformat KOMMSE ÜCKEN?! (4) mit offenen Konzerten und Ausstellungen entlang der Bochumer Straße, und zuletzt die Entwicklung von neuen Projekten, die die Stadtverwaltung an uns heranträgt, bei denen wir dann mit lokalen Kooperationen robuste Strukturen aufbauen können.

Die Projekte sind bewusst niedrigschwellig angelegt und sind vor allem kostenlos. Freier Zugang und Teilhabe sind elementar, wenn man den öffentlichen Raum als gleichberechtigten Ort für alle ver-steht. Ich habe oft den Eindruck, dass Innenstädte im Ruhrgebiet wie Räume zweiter Klasse behandelt werden: Wer es sich leisten kann, zieht sich in den privaten Raum zurück. In anderen Städten erlebe ich oft eine andere Stadtkultur: Da gehen Menschen nicht nur durch die Stadt, um etwas zu erledigen, sondern bleiben auch stehen, begegnen sich und verbringen Zeit im öffentlichen Raum. Hier im Ruhrgebiet wirkt es, als sei jeder Weg vor allem eine Pflicht. Dabei könnte der öffentliche Raum viel mehr sein: ein Ort, an dem man sich auch nach dem Einkauf oder einem Arztbesuch noch kurz hinsetzt, Zeit verbringt und zufällige Begegnungen nicht als Stress, sondern als Bereicherung erlebt. Trotz aller individuellen Lebens-realitäten teilen wir unsere Umwelt miteinander – und diese Viel-falt kann auch etwas Schönes sein. Die Grundannahme, dass der öffentliche Raum anstrengend und belastend ist, würde ich gerne verändern. Für mich sollte er ein Zugewinn für das gemeinsame Leben sein.

Welche Rolle spielen Kultur und Kreativität bei euren Aktionen?

Als Urban Cowboys verfolgen wir bewusst einen Ansatz jenseits klassischer Events. Der Erfolg von solchen Veranstaltungen wird meist an Besucherzahlen oder Einnahmen gemessen. Wir gehen den entgegengesetzten Weg: Wir wollen Innenstädte nicht durch Events beleben, bei denen Menschen vor allem konsumieren, son-dern durch Veränderungen im öffentlichen Raum. Dadurch entste-hen Situationen, in denen Nachbarschaft, Laufkundschaft oder zu-fällige Besucher:innen plötzlich selbst Teil des Geschehens werden. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch ein künstlerisches Potenzial in sich trägt. Menschen sind vielfältig und widersprüchlich – und ge-nau darin liegt eine große Stärke. Während klassische Events stark durchgeplant sind, arbeiten wir bewusst offen und lassen uns auch überraschen. Wenn wir Projekte entwickeln, wissen wir häufig noch nicht genau, wohin sie führen werden. Die Ergebnisse entstehen ge-meinsam mit den Menschen, die sich einbringen möchten. Dahinter steht ein kollektiver und solidarischer Ansatz: Jede und jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, eigene Ideen einzubringen und diese auch umzusetzen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen künstlerische Prozesse in ihrem Alltag erleben. In der Kunst geht es weniger um feste Antworten als um Fragen. Wenn wir lernen, unsere Umwelt, unsere Wünsche und auch uns selbst zu befragen, entstehen neue Perspektiven darauf, wie wir unsere Städte gestalten und miteinander leben wollen. Genau diese Offenheit lässt sich aus künstlerischen Prozessen in viele Bereiche des Lebens übertragen.

Wie werden aus den Zuschauer:innen aktive Teilnehmer:innen eurer Projekte?

Die Frage nach der Lebensqualität im Ruhrgebiet berührt stark das Selbstbild der Menschen und ihren Blick auf die eigene Umgebung.

Das verbreitete, eher destruktive Narrativ lautet: Hier ist nichts los, also kann man hier auch nicht gut leben. Gleichzeitig gehört das Zelebrieren von Härte ein Stück weit zur regionalen Identität. Wenn ich Menschen offen nach ihrem Leben in der Stadt frage, wird häu-fig zuerst das benannt, was nicht gut läuft. Frage ich dagegen nach Wünschen für ihre Stadt, blicke ich oft in fragende Gesichter. Vielen Menschen fällt es schwer, sich konkrete Veränderungen vorzustel-len oder die eigene Rolle darin zu sehen. In Projekten, bei denen ich viel Zeit im öffentlichen Raum verbringe und mit Menschen ins Gespräch komme, erlebe ich jedoch viel Zuspruch. Viele finden gut, was wir tun. Die Hürde, selbst aktiv zu werden, scheint jedoch hoch. Das liegt auch an einer Kultur, in der Menschen eher als Konsument:innen angesprochen werden. Wenn wir eine aktive, so-lidarische Stadtgesellschaft entwickeln wollen, müssen sich mehr Menschen ihrer eigenen Handlungsmöglichkeiten bewusst werden und sie nutzen. Das ist allerdings ein längerer Prozess. Wichtig ist deshalb vor allem, immer wieder zu zeigen, dass solche Möglich-keiten existieren.

Wie durchbrecht ihr dieses Narrativ?

Einmal hatten wir eine Bühne gegenüber von einem Kiosk auf-gebaut, auf der eine Tänzerin und ein Schlagzeuger auftraten. Während sie spielten, lief eine Mutter mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Kiosk vorbei. Die Mutter wollte möglichst schnell weiter, aber das Mädchen blieb fasziniert stehen. Für einen Moment war sie schon Teil des Publikums, während die Mutter noch im Alltag unterwegs war. Für mich zeigt diese Szene sehr schön, wie spontan Publikum entstehen kann.

Durch die Spontaneität kann sich die Wahrnehmung eines Ortes verändern: Der öffentliche Raum wird plötzlich zum Bühnenraum und bleibt als positive Erinnerung im Kopf. Schon das ist ein gro-ßer Gewinn – wenn die negative Erzählung über die eigene Stadt zumindest kurz unterbrochen wird. Vielleicht denkt jemand beim nächsten Mal, bevor er über den Ort schimpft: Moment, da war doch auch etwas Schönes. Genau darin liegt für mich das Potenzial: erst einmal die Vorstellung von der eigenen Stadt zu verändern. Und daraus kann dann mehr entstehen.

Das wird von den Menschen auch wertgeschätzt. Zum Beispiel wäh-rend unseres einmonatigen Projekts Weber Terrassen, das 2023 in Gelsenkirchen-Altstadt stattfand und bei dem wir Parkbuchten in der Innenstadt gesperrt und stattdessen Sitzgelegenheiten und Blumen-kästen aufgestellt haben: Eines Abends habe ich beobachtet, wie ein Mann vorbeikam, die Blumenkästen säuberte und herausgerissene Blumen wieder einpflanzte. Später habe ich mit ihm gesprochen. Wegen seiner Arbeitszeiten konnte er selten zu unseren Veranstal-tungen kommen, aber weil er in der Nähe wohnte und das Projekt mochte, wollte er zumindest dazu beitragen, dass der Ort schön bleibt. Für ihn war es eine regelmäßige freiwillige Aufgabe. Für mich war das ein Zeichen von Wertschätzung und Teilnahme.

Aber es ist uns wichtig, dass unsere Orte nicht nur durch Programme funktionieren. Wir lassen bewusst viel Raum für den Alltag, damit Menschen merken, wie sich der Stadtraum verändert: weniger par-kende Autos, weniger Rangieren, eine angenehmere Geräuschkulis-se – plötzlich kann man sich sogar von einer Straßenseite zur an-deren unterhalten. Und natürlich setzen wir auch kulturelle Impulse.

Wo siehst du Parallelen zwischen dem Zeitgenössischen Zirkus und deiner Arbeit?

Die größte Gemeinsamkeit liegt für mich im Aktivieren des Stau-nens – oder im Zugang zum inneren Kind. Wenn Menschen zum Beispiel spontan auf einen Artisten oder eine künstlerische Dar-bietung stoßen und kurz innehalten, beginnt genau dieser Moment: Sie schauen genauer hin, nehmen bewusster wahr, und zwar, ohne sofort zu bewerten. Dieses Innehalten ist für mich der eigentliche magische Moment, oft ganz unabhängig vom großen Spektakel. Der Zeitgenössische Zirkus hat in dieser Hinsicht ein besonderes Poten-zial. Er ist von Menschen für Menschen gemacht und bringt eine spielerische, freie künstlerische Qualität mit sich. Genau deswegen funktionieren auch Disziplinen wie Parkour im Stadtraum sehr gut, weil sie ihn neu erfahrbar machen.

Spannend ist dabei immer zu beobachten, wie Publikum entsteht: Wenn die ersten stehen bleiben, fällt es anderen leichter, ebenfalls anzuhalten. Manche bleiben am Rand stehen und schauen lange zu, andere treten sofort nach vorne, kommentieren etwas und ziehen dann weiter. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich – und genau das zeigt, wie sozial solche Momente sind.Unsere Erfahrung zeigt auch: Vertrauen in die Stadtgesellschaft ist entscheidend. Wir haben bisher kein Projekt erlebt, das zerstört wurde oder wirklich gescheitert wäre. Für mich liegt die besondere Kraft unserer Arbeit und auch des Zirkus im Spielerischen und im Liebevollen. Wenn wir Projekte mit dieser Haltung umsetzen – offen, wohlwollend und wirklich für die Sache – springt dieser Funke auf andere über.

(1) Der Begriff „Placemaking“ geht wesentlich auf die Arbeiten der US-amerikanischen Urbanistin Jane Jacobs zurück. Bereits in den 1950er-Jahren kritisierte sie die von Investoren geprägte Stadtplanung und betonte stattdessen die Bedeutung von öffentlichen Räumen als lebendige Orte der Begegnung. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie, wie einfache Maßnahmen vernachlässigte Orte wiederbeleben können. Zentral war dabei, dass Städte nicht von oben geplant, sondern gemeinsam mit den Menschen gestaltet werden sollten. Dabei gilt Jacobs auch als wichtige Referenz für feministische Stadtforschung, da sie früh kritisierte, dass Städte überwiegend von einer kleinen, meist männlich geprägten Entscheidungselite gestaltet werden, und stattdessen forderte, die Perspektiven und Bedürfnisse aller Menschen in die Stadtentwicklung einzubeziehen. Diese Haltung bildet bis heute die Grundlage dessen, was wir unter Placemaking verstehen: eine nutzerorientierte, partizipative Stadtentwicklung, die soziale Interaktion, Aufenthaltsqualität und lokale Identität stärkt.

(1) Der Begriff „Placemaking“ geht wesentlich auf die Arbeiten der US-amerikanischen Urbanistin Jane Jacobs zurück. Bereits in den 1950er-Jahren kritisierte sie die von Investoren geprägte Stadtplanung und betonte stattdessen die Bedeutung von öffentlichen Räumen als lebendige Orte der Begegnung. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie, wie einfache Maßnahmen vernachlässigte Orte wiederbeleben können. Zentral war dabei, dass Städte nicht von oben geplant, sondern gemeinsam mit den Menschen gestaltet werden sollten. Dabei gilt Jacobs auch als wichtige Referenz für feministische Stadtforschung, da sie früh kritisierte, dass Städte überwiegend von einer kleinen, meist männlich geprägten Entscheidungselite gestaltet werden, und stattdessen forderte, die Perspektiven und Bedürfnisse aller Menschen in die Stadtentwicklung einzubeziehen. Diese Haltung bildet bis heute die Grundlage dessen, was wir unter Placemaking verstehen: eine nutzerorientierte, partizipative Stadtentwicklung, die soziale Interaktion, Aufenthaltsqualität und lokale Identität stärkt.

(2) Das Förderprogramm Kreativ.Quartiere Ruhr ist eine Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die künstlerische Experimente und Kreativwirtschaft in 14 Städten des Ruhrgebiets fördert. Ziel ist es, durch die Ansiedlung von Kulturschaffenden in spezifischen Vierteln den Strukturwandel zu unterstützen, Leerstände zu nutzen und lebendige Quartiere zu schaffen.

(3) Murals sind große Wandgemälde oder Graffiti an Hausfassaden, die meist soziale oder kulturelle Inhalte thematisieren.

(4) KOMMSE ÜCKEN?! ist ein kostenloses Quartiersfest in Gelsenkirchen-Ückendorf, das seit 2022 quartalsweise auf der Bochumer Straße stattfindet und sich großer Beliebtheit – auch weit über den Stadtteil hinaus – erfreut. Mittlerweile wird es gemeinschaftlich vom Kollektiv Ücken organisiert und von verschiedenen kreativen und gastronomischen Akteur:innen der Bochumer Straße durchgeführt, die in ihren Läden an dem Abend „mehr als sonst“ anbieten.

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