Handle with care - bisschen Träumen ist ja erlaubt
von Swantje Kawecki
Diese Welt braucht mehr Fürsorge, mehr Zärtlichkeit und mehr gegenseitige Unterstützung – das lässt sich wohl kaum abstreiten. Und damit ist nicht etwa die angeeignete, europäisierte Form von Self-care gemeint – auch wenn es natürlich wichtig ist zu schauen, dass es einem selbst gut geht. Doch viel zu oft kreist das, was heute unter „Self-Care“ verstanden wird, um das Selbst. Denn der Gedanke sollte doch eher sein: Wenn es uns selbst gut geht, können wir für andere da sein. Für unsere Mitmenschen, für unsere Freund*innen, für unsere (gewählte) Familie.
Um diese Gedanken dreht sich „Handle with Care“ von Diana Gadish: Wenn ich sehe, dass eine Person etwas Schweres trägt und es über die Kräfte der Person hinaus geht, biete ich selbstverständlich Hilfe an. Doch nicht, indem ich einfach hingehe und ihr den schweren Gegenstand aus der Hand nehme. Nein, ich frage erst: Möchtest du Hilfe? Ich gebe der Person die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie die Hilfe annehmen möchte, und stülpe sie ihr nicht über.
Und vielleicht sieht das dann jemand und denkt in einer anderen Situation selbst daran, überwindet sich und bietet Hilfe an. In Kontakt gehen, mit Menschen, die wir nicht kennen, kann sich zu etwas Besonderem entwickeln. Und vielleicht steht die nächste Person schon bereit, um die nächste Kiste anzuheben und kaum versieht man sich und wir haben einen Turm aus Boxen gebaut, auf der eine glückliche Person steht. Boxen mit der Inschrift „Handle with care“. Was soll man mit Vorsicht handhaben: Die Boxen? Die Menschen um uns herum? Den Inhalt? Vielleicht alles davon?
Zumindest zaubert die Künstler*in Diana Gadish eine Girlande nach der nächsten aus einer der Kisten, auf der sie oben auf unserem Turm steht. Es entsteht ein Bild, wie man es auf einem Volksfest erwarten würde: Mit einer kleinen Drehorgel spielt sie Musik. Das Publikum wird zum Tanzen eingeladen. Schüchtern, lachend, mit strahlenden Augen, sobald sie sich überwinden können.
Kinder tanzen miteinander, alte Menschen mit jungen, Eltern miteinander, Freund*innen. Tanzen, das verbindet. Helfen, das verbindet. Musik, die verbindet. Wenn wir alle ein bisschen mehr dazu bereit sind, ‚Ja’ zu solchen Einladungen zu sagen und unsere eigene Unsicherheit zu überwinden, uns verletzlich zu zeigen und zu begegnen – vielleicht erwischen wir uns sogar selbst dabei zu bemerken, wie viel Spaß es macht, füreinander da zu sein.
