Editorial

Das CircusDanceFestival bringt ein Onlinemagazin heraus! VOICES – das Magazin

Voices ist unsere Antwort auf die Frage „Was jetzt?“ – nachdem wir die Entscheidung getroffen hatten, die erste Ausgabe des Festivals aufgrund der aktuellen Covid-19 Pandemie auf 2021 zu verschieben.

Das CircusDanceFestival arbeitet mit internationalen Künstler*innen aus dem weiten interdisziplinären Feld zwischen zeitgenössischem Circus und Tanz. Zwei Kunstformen, deren gemeinsame Ausdrucksform der hochphysische Umgang mit dem Körper ist und die sich gegenseitig beeinflußen und erweitern.

Beide Kunstformen haben ihren eigenen historischen Weg, sie eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Bewegung und auf den Körper mit seinen Normen, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Hierarchien. Circus und Tanz müssen individuell definiert werden, da dies die Grundlage für ihre Existenz und ihre Anerkennung als Kunstform bildet. Künstler*innen, die einen hybriden Ausbildungsbackground haben oder sich von beiden Bereichen inspirieren lassen, teilen jedoch häufig den Wunsch, die Kategorisierung zu umgehen und eine fließende und interdisziplinäre Identität zu bewahren. Und genau da liegt das
CircusDanceFestival: Zwischen zeitgenössischem Circus und Tanz!

Die Gestaltung dieses fließenden Feldes liegt bei den Künstler*innenn, ihren Performances und ihren Stimmen. Voices ist aus dem Gedanken heraus entstanden, den Festivalkünstler*innen eine Plattform und Sichtbarkeit zu bieten, jenseits von Live-Performances auf Bühnen und in Zelten. Ein Magazin als Sprachrohr für das, was sie derzeit bewegt und beunruhigt, für die Themen die ihnen genau jetzt wichtig sind und vor allem für die Themen, die ihre Stücke – normalerweise „live“ – behandeln.

Es war der Wunsch nach Begegnung, der uns dazu geführt hat, Online-Gespräche mit den Künstler*innen zu führen. Diese verschriftlichen Gespräche finden sich, leicht gekürzt, nun in diesem Heft. In dieser – für uns alle neuen – Ausnahmesituation und aus den jeweiligen Privaträumen heraus, sind für mich sehr besondere und persönliche Begegnungen entstanden, die so sonst nicht stattgefunden hätten.

Neben den Gesprächen, wollten wir die Künstler*innen auch zum Experimentieren mit aktuell möglichen Formen der künstlerischen Kreation einladen.
Daraus sind mehrere „Carte Blanche“ Auftragsarbeiten entstanden. In diesem Fall ist die „Carte Blanche“ eine Einladung, frei in Inhalt, Länge und Form, innerhalb von drei Wochen eine Videoarbeit für das Magazin zu entwickeln. Ich freue mich, dass diese Herausforderung so experimentierfreudig angenommen wurde und bin selbst sehr gespannt auf die neu entstandenen Arbeiten.

Ein ganz besonderen Dank gilt an dieser Stelle Katharina Klapdor, die mit mir zusammen die Interviews geführt und das Redaktionsteam gebildet hat, sowie an das engere Magazinteam Mechtild Tellmann, Heike Diehm, Tobias Bergmann, Michael Straßburger, Martin Forsbach und Sophia Oltmanns. Ebenso geht ein ganz herzlicher Dank an unseren Hauptpartner TPZAK Zirkus- und Artistikzentrum Köln, unter der Leitung von Éva Adorjan. sowie an unsere gesamten Förderer und Kooperationspartner*innen, die mit ihrer Flexibilität und in enger Absprache dieses Projekt ermöglicht haben.

Ich wünsche uns und Ihnen und Euch viel Spaß beim Blättern und Eintauchen in das diesjährige Magazin und hoffe sehr, dass wir uns Pfingsten 2021 beim Festival in Köln wiedersehen.

Tim Behren
Künstlerischer Leiter Overhead Project und CircusDanceFestival

Köln, 25. Mai 2020

NRW-Erklärung der Vielen

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich so im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Wir als Unterzeichnende der NRW Kunst- und Kultureinrichtungen, ihrer Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

  • Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien.
  • Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
  • Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
  • Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
  • Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Zum Unterzeichnen der Erklärung und weitere Infos: www.dievielen.de