Circus Dance Practices #1
Zeitgenössischer Zirkus und Tanz sind körperliche Praxen, die sich im künstlerischen Dialog gegenseitig beeinflussen und inspirieren. Beide Disziplinen teilen als gemeinsamen Boden ein intensives körperliches Training, hohes Körperbewusstsein und verschiedene Praktiken der Präsenz. Allerdings eröffnen sich im zeitgenössischen Zirkus und Tanz ganz unterschiedliche Perspektiven im Umgang mit Raum, Objekten, Risiko, Rhythmus, Musikalität sowie Improvisations- und choreografischen Prozessen.
Circus Dance Practices #1 ist eines der neuen Campusprojekte des Festivals. Das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln initiiert hier in Kooperation mit dem CircusDanceFestival eine mehrwöchige künstlerische Praxisrecherche. Dafür wird eine international arbeitende Zirkuskünstler:in eingeladen, um gemeinsam mit Studierenden des BA Tanz praxisorientiert an Fragenstellungen zwischen Technik und Intuition sowie zwischen choreografischer Setzung und improvisatorischer Offenheit zu forschen. Im Zentrum stehen körperliche Recherchen, experimentelle Arbeitsweisen und das gemeinsame Erproben von Labor-, Kreations- und Improvisationstools. Wie entsteht künstlerisches Material im Mit- und Nebeneinander von Tanz und Zirkus? Wie wird Praxis zu Körperwissen – und Körperwissen wieder zu Praxis?
Im ersten Jahr dieser neuen Serie der Circus Dance Practices teilt der französische Jongleur und Performer Guillaume Martinet von der Compagnie Defracto seine künstlerische Zirkuspraxis mit den Studierenden. In intensiven praktischen Laborsessions führt er in die Arbeitsweise der Compagnie ein, in der Jonglage als körperliche Beziehung zum Objekt verstanden wird und zwischen technischer Präzision und spielerischem Loslassen oszilliert. Er unterrichtet objekt- und körperbezogene Bewegungsprinzipien, das Variieren von Rhythmus, Dynamik und improvisatorische Aufgaben. So kann ein gemeinsamer Forschungsraum zwischen Tanz und Objektmanipulation entstehen. Technische Übungen, Improvisation und kompositorische Ansätze greifen ineinander und geben den Studierenden die Möglichkeit, völlig neue Bewegungsqualitäten im Zusammenspiel von Körper und Objekt zu entwickeln und Einblicke in die kreativen Prozesse von Defracto zu gewinnen.
